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Rotmilane

 

 

Gerade ist die brütende Rotmilandame abgeflogen, als eine vorwitzige Blaumeise das Gelege der Greife aufsucht und schnell ein wenig Nistmaterial klaut. Das ist eine der besonderen Szenen in dem Film "Das Jahr des Rotmilans – Lippes elegante Greife“ von den bekannten Detmolder Naturfilmern Sarah Herbort und Robin Jähne. Im Westfälischen Storchenmuseum Minden-Lübbecke in Petershagen-Windheim wird der Film am 18. Juli zum ersten Male um 19.30 Uhr gezeigt.

Als Veranstalter kooperieren das Aktionskomitee "Rettet die Weißstörche“, die Kreisgruppen des BUNDs, des NABUs, die Arbeitsgruppe Natur- und Umweltschutz Bad Oeynhausen, der Verein Naturschutz und Heimatpflege Porta und die Biologischen Station Minden-Lübbecke.

Der Rotmilan brütet auch im Kreis Minden-Lübbecke. Kleine Buchenwälder mit alten Bäumen sind für ihn als Niststandort unerlässlich, ebenso wie Wiesen und Weiden, auf denen er seine Nahrung findet. Der Rotmilan ist ein echter Mitteleuropäer: 64 % des Weltbestandes lebt in der Bundesrepublik. Von den insgesamt etwa 11.000 Brutpaaren in Deutschland kommen die meisten in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen vor. In Nordrhein-Westfalen ist der Rotmilan sehr selten, hier leben nur etwa 420-510 Paare, und die Bestände sind seit den 1970iger Jahren leider rückgängig. Daher haben wir, so die Vertreter der Naturschutzverbände, auch eine besondere Verantwortung zum Erhalt dieser wunderschönen Greifvogelart.

Natürlich sind die Dokumentarfilmer bei der Filmpräsentation vor Ort und berichten von kleinen Geschichten und spannenden Abenteuern während der Dreharbeiten.

So beispielsweise von halsbrecherischen Manövern im Hubwagen, um an die Horste zu kommen. Hier befestigten die Filmer eine von ihnen speziell entwickelte Technik, einen so genannten Kamerafahrstuhl. Der macht es möglich, aus wenigen Zentimeter Entfernung in den Horst zu schauen. Klar, dass auch die jungen Milane den Kasten nutzen, zwar nicht als Aufzug, wohl aber als Ausflugsziel bei den ersten Flugversuchen oder auch als Toilette. "Zum Glück trafen sie beim Kälken – so nennt man den Toilettengang bei den Greifen – nicht die Kameralinse, sondern nur die Mechanik, die das verkraften konnte“, so Jähne.

In mehr als zwei Jahren Drehzeit sammelten die Filmer hunderte Stunden Material, schlotterten vor Kälte in Tarnzelten oder nahmen weite Fahrten zu den Winterquartieren in Südfrankreich, den Pyrenäen und Nordspanien in Kauf. Hier wurden sie Zeugen, wie hunderte Rotmilane sich abends zu Schlafgemeinschaften versammeln.

"Ein besonderes Erlebnis war auch eine Rotmilan-Winterfütterung in der Schweiz. Hier kreisen dann hundert Rotmilane wie ein Tornado über dem Futterplatz“, berichtet Tierfilmerin Sarah Herbort. Die beiden Filmer konnten eine Kamera direkt auf den Futterplatz einschleusen, die einzigartige Bilder lieferte.

Aufnahmen mit spezieller Zeitlupentechnik, Luft- und Fahraufnahmen und viele andere ungewöhnliche Perspektiven machen den Film zu einem besonderen Erlebnis. Und nicht zuletzt gibt er wunderschöne Einblicke in die Lippische Kulturlandschaft, das Land des Hermann am Teutoburger Wald, das die Heimat der Rotmilane ist.